
Von Drohmails mit dem Absender “NSU 2.0” sind auch mindestens drei Abgeordnete der Linken im Bundestag betroffen. Wie ein Sprecher der Fraktion sagte, haben Fraktionschefin Amira Mohamed Ali sowie Sevim Dagdelen und Gökay Akbulut am Mittwoch solche Mails bekommen – wie auch mehrere Grünenabgeordnete, darunter Fraktionschef Anton Hofreiter. Äußern wollten die Betroffenen sich zunächst nicht. Sie stünden mit dem Bundeskriminalamt in Kontakt, sagte der Sprecher.
Als “Nationalsozialistischer Untergrund” (NSU) hatten sich die Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt bezeichnet, die zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen ermordeten. Die Opfer waren acht türkischstämmige und ein griechischstämmiger Kleinunternehmer sowie eine Polizistin. Mundlos und Böhnhardt begingen Suizid, ihre Mittäterin Beate Zschäpe wurde 2018 verurteilt.
Urheber der Schreiben nicht bekannt
Seit Wochen häufen sich rechtsextreme Morddrohungen per Mail und in Briefen, die mit “NSU 2.0” unterschrieben sind, und zum Teil von der Polizei abgefangen werden konnten. Sie enthalten häufig persönliche Daten der Betroffenen. Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) sagte am Dienstag, das hessische Landeskriminalamt wisse von 69 entsprechenden Drohschreiben. Die Urheber der Schreiben sind bislang nicht bekannt.
Ebenfalls am Dienstag war bekannt geworden, dass mehrere Persönlichkeiten aus Politik und Kultur rechtsextreme Drohschreiben erhalten haben. Auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, erhielt nach eigenem Bekunden eine Morddrohung. Die Nachricht sei unterzeichnet gewesen mit den Worten “Heil Hitler Dein NSU 2.0”, wie Mazyek am Mittwoch auf Twitter schrieb. In einem Video sagte er, es sei die dritte solche E-Mail seit 2019, die mit “NSU 2.0” unterzeichnet sei. Ihm und seiner Familie sei Vernichtung angedroht worden. “Das ist eine feige Straftat, die natürlich zur Anzeige geht.”
